Gestaltete Räume für mehr Menschlichkeit

22 September 2015

Jobcenter Kerpen-Sigma Pressemeldung

Petra Pieroth Design für das Jobcenter Kerpen​

Bochum / Kerpen – Weiße Wände voller Kratzer und Schlieren, mutwillig zerstörte Kunststoffmöbel, tote Topfblumen – in den Büros und Wartezonen vieler Einrichtungen der öffentlichen Hand beschleicht so manchen Besucher heute das Gefühl, dass hier der Verfall verwaltet wird. Jahre, in denen Kommunen, Länder und Bund um jeden Preis zu sparen hatten, haben ihre Spuren hinterlassen. Schulen und Verwaltungsgebäude müssen nun mit doppelter Anstrengung saniert, dringend benötigte neue Einrichtungen wie Pflegeheime oder Hospize möglichst schnell errichtet werden. Bleibt da noch Zeit für eine Planung, die die Menschen in den Blick nimmt, für die schließlich diese Gebäude errichtet werden? „Nur, wenn sich Gleichgesinnte finden, die bereit sind, sich dafür stark zu machen“, sagt Designerin Petra Pieroth. „Es gibt in den Gebäuden der öffentlichen Hand viel zu tun, wenn die Menschlichkeit in unserem Land nicht auf der Strecke bleiben soll“, ist die erfahrene Designerin überzeugt.

2012 begannen auf einem Grundstück in der Nähe des Rathauses in Kerpen, der Heimatstadt von Petra Pieroth, die Bauarbeiten für bis zu acht neue Büro- und Verwaltungsgebäude. Nachdem der Abriss des städtischen Schwimmbades am gleichen Platz beschlossen wurde, befasste sich ein Team aus Kreativen und ortsansässigen Handwerkern mit deren Planung und so entstand ein außergewöhnliches Gebäudeensemble. Die Kölner Architekten Wilberg & Partner entwarfen zunächst acht würfelförmige Gebäude mit je vier Geschossen, die in U-Form platziert werden sollten – jedes Gebäude gegenüber dem Nachbargebäude ein wenig „verdreht“. Fünf dieser acht Gebäude sind inzwischen erstellt und bezogen, der leichten Anmutung ihrer Anordnung wegen mit dem Namen „Tanzende Stadthäuser“ versehen.
Sonne, Strand und Meer
Der erste Auftrag an Petra Pieroth in diesem Zusammenhang: ein Farbkonzept für die Fassaden der fünf Gebäude. „Da wir uns lange kennen, ließen mir die Kollegen vom Architekturbüro Laufs und Wagner freie Hand“, erinnert sich Petra Pieroth. Sie nahm sich daraufhin vor, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schlagen. „Ich habe Farben wieder aufgenommen, die die alteingesessenen Kerpener an ihr Schwimmbad erinnern, die sich darüber hinaus aber auch zu einem harmonischen Ganzen fügen ließen.“ Ein tief-warmes Braun, das sanfte Beige eines Flusskieselbettes und ein frisches Mint-Türkis finden sich heute auf den großen Fassadenflächen der Gebäude ebenso wie in vielen Details zum Beispiel der Fenster. Aus der Nähe betrachtet inspiriert dieser farbliche Dreiklang Träume von Sonne, Strand und Meer – von Ferne setzt er die einzelnen Gebäudeteile markant gegeneinander ab. 

Designerin Petra Pieroth hat sich intensiv mit der Wirkung verschiedener Farben auf die Psyche des Menschen befasst. „In unserem Farbfächer steht Beige für edle Natürlichkeit. Diese Farbe wirkt einladend, ruhig, klassisch, diskret und unaufdringlich. Der klare Mint-Ton sorgt für einen modernen, avantgardistischen Akzent, wirkt dabei aber unkompliziert, belebend wie sanft, anregend wie medial. Und das kräftige Nussbraun, das bei den ‚Tanzenden Stadthäusern’ zum Einsatz kam, ist ein besonders erdverbundener Farbton, der bescheiden und einladend, zugleich schützend und sympathisch wirkt. Das gesamte Gebäudeensemble vermittelt dank dieser Farbgebung Geborgenheit und bleibt dabei ganz handfest. Aus unserer Sicht haben diese Farben aus den ‚Tanzenden Stadthäusern‘ einen besonders angenehmen und ansprechenden Ort gemacht.“ In Knut Schön, dem Fachberater von PPG, fand Petra Pieroth einen Diskussionspartner nach ihrem Geschmack: „Wir haben die Farbauswahl für dieses besondere Objekt beide sehr ernst genommen und fanden deshalb schnell eine gute Gesprächsbasis und die besten Lösungen für die Fassade genauso wie später für die Innenwände.“

Begegnung begleiten

Zur Herzensangelegenheit wurden die „Tanzenden Stadthäuser“ für Petra Pieroth erst recht, als klar war, dass das Jobcenter Kerpen in die neu erstellten Gebäude einziehen würde. „Um ein nachhaltig gutes Gestaltungskonzept entwickeln zu können, habe ich andere Jobcenter besucht und dort Stunden in verschiedenen Räumen verbracht, um zu verstehen, was die Menschen in ein Jobcenter führt, was sie mitbringen und was sie suchen. Dabei habe ich auch erlebt, welchen Belastungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesetzt sind“, berichtet die empathische Designerin. Am Ende dieses „Selbstversuches“ sei sie sicher gewesen: Klare und zugleich warme, anregende wie beruhigende Farben und Gestaltungsideen sollten den Kontakt zwischen Arbeitsuchenden und Beratern im Jobcenter in eine gute Richtung lenken. „Hier werden keine Akten verwaltet, hier geht es um existenzielle Fragen des Lebens für sehr viele Menschen. Deshalb bin ich die Gestaltung mit großer Ernsthaftigkeit, aber eben auch mit Herz und Kreativität angegangen.“

Das Leben bejahen

In zähem Ringen um Budgets und unzählige Details der Gestaltung gelang es Petra Pieroth und ihrem Team schließlich, eine Gestaltung mit Modellcharakter zu schaffen, die auf langlebigen und natürlichen Materialien beruht. In der Wartezone des Jobcenters wurden Juramarmorbruchstücke in Epoxidharz gegossen – es entstand ein ebenso lebendiger wie farblich harmonischer fugenloser Belag, dessen Farbigkeit die Gestaltung aller Böden, Wände und Decken in den angrenzenden Räumen motivierte. 

Große beige Feinsteinzeugplatten aus Italien auf den Fluren und in den Sanitärräumen stoßen an farblich perfekt abgestimmte, mit „SigmaClean Matt“ reinigungsfreundlich gestrichene Flächen. Alle Lampen im Haus wurden von Petra Pieroth selbst entworfen und sind aus Stahl oder Stoff und an die Farben der Häuser angepasst. In allen Häusern und auf allen Etagen finden sich kleine Nischen in den Trockenbauwänden, in denen das Kreativteam „lebensbejahende Hingucker“ wie altes Spielzeug oder kleine Skulpturen in der Farbigkeit der Häuser platziert hat. 
 

Werte erhalten und pflegen

Hochwertige Sanitär-Artikel in allen Bädern, gute rollstuhlgeeignete Teppichböden in allen Büros in eben jenem braunen Farbton, der sich auch auf der Fassade findet – gab es nie Sorgen, so viel Wertigkeit in einem Jobcenter könne Kritik wecken? „Wir haben solide investiert in eine Ausstattung, die – Pflege vorausgesetzt – für Jahrzehnte alle Menschen im Gebäude erfreuen wird. Das alles hat nichts mit Luxus, sondern mit Wertbeständigkeit und Wertschätzung zu tun“, erklärt Petra Pieroth. 

Räume im Dienst der Menschen

Ursula Claasen, Leiterin des Jobcenters Kerpen, ist überzeugt davon, dass die neue Umgebung ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso wie den vielen Besuchern gut tut: „Sie spüren schon auf dem Weg vom Parkplatz in die Gebäude, dass hier liebevoll geplant, gestaltet und gepflegt wird. Gemeinsam mit Frau Pieroth haben wir nicht nur eine angenehme Atmosphäre in den Räumen geschaffen, sondern auch ein Konzept der Instandhaltung entwickelt, damit die gesamte Liegenschaft nachhaltig die Botschaft vermittelt, um die es uns geht: Wir wollen Menschen zu einem zufriedenen und guten Leben verhelfen, auch wenn dazu viele Hürden genommen werden müssen. Alle, die diese Häuser betreten, sollen sich wertgeschätzt und aufgehoben fühlen.“ 

Auch wenn niemand wage, allein die Gestaltung der Gebäude dafür verantwortlich zu machen – auffällig sei doch, so Ursula Claasen, dass das Jobcenter Kerpen eine gute Vermittlungsquote im Landesvergleich vorzuweisen habe. „Die Arbeitsvermittlung und die Betreuung von Arbeitsuchenden ist oft genug eine psychisch und physisch aufreibende Aufgabe“, unterstreicht die erfahrene Amtsleiterin, „und ich bin sehr sicher, dass es Umgebungen gibt, die diese Belastungen verstärken und eben Umgebungen, die helfen, sie zu kompensieren. Wir hier in Kerpen genießen die Räume, die Farben, die massiven Materialien und die liebevollen Details, für die sich Petra Pieroth stark gemacht hat. Ich persönlich glaube, wir verdanken ihr und den erfahrenen Handwerkern in ihrem Team sehr viel.“
Dankbarkeit empfinde auch sie, wenn es wie in den „Tanzenden Stadthäusern“ von Kerpen gelingt, Konzepte durchgängig umzusetzen, sagt Petra Pieroth. „Es bedeutet mir viel, für Menschen arbeiten zu dürfen, die selbst die Dienste eines Gestalters oder Designer nicht bezahlen und in Anspruch nehmen können“, beschreibt sie ihre Motivation. „Auch sie haben nämlich einen Anspruch darauf, sich in den Räumen ihrer Stadt nicht eingeschüchtert, sondern wohl und aufgehoben zu fühlen. Wir beschreiben uns gerne als ‚Wohlfühlgestalter’, die Gebäude und Räume auf bestimmte Anforderungen und Wünsche zuschneiden. Dabei spielen Proportionen, Licht, Farbe und Materialmix gleichermaßen eine Rolle. Wir bringen Emotionalität und Modernität zusammen. Technischer Fortschritt, neue Materialien, kühne Entwürfe – die aber den Menschen und ihren Bedürfnissen nahe sind.“

Tanzenden Stadthäuser Jobcenter Kerpen


Die Fassaden der „Tanzenden Stadthäuser“ wurden mit Sigma Indurin gestaltet, einer matten, siliconharzmodifizierten Reinacrylat-Fassadenfarbe. Eingesetzt wird sie von vielen Profis für Fassadenbeschichtungen, an die wasserabweisende, hoch diffusionsfähige Anforderungen gestellt werden. Durch die Siloxanverstärkung wird ein hoher Feuchtigkeitsschutz erreicht. Gestaltet werden kann mit „Sigma Indurin“ in mehreren tausend Farbtönen über das Sigmamix-System nach NCS-, RAL-, und „Sigma Chroma“ sowie in weiteren marktgängigen Farbkollektionen. 

 

SIgma Pressemeldung Jobcenter Kerpen


Kies und Sand bereichern das Bild der gestalteten Freiflächen rund um die „Tanzenden Stadthäuser“. Die Außenrolladen aus Aluminium wurden farblich an die Fassadenflächen angepasst. Jedes einzelne Rollo, selbst die schmalste Variante, ist einzeln zu bewegen, sodass in allen Räumen der Tages- und Sonnenlichteinfall individuell geregelt werden kann. Die Faschen der Fenster nehmen das Mint-Türkis der äußeren Fassadenflächen wieder auf. 

Sigma-Jobcenter-Kerpen innen.

In allen Räumen und Fluren wurde die reinigungsfreundliche Innenwandfarbe SigmaClean Matt auf Malervlies verarbeitet, die gemäß dem Farbfächer von Petra Pieroth Design Design nach dem „Sigmamix Absolut-Tönkonzept“ gemischt wurden „Diese Farbe lässt sich hervorragend von Verschmutzungen befreien, die in öffentlichen Einrichtungen wie einem Jobcenter unvermeidlich sind“, sagt Petra Pieroth, die selbst die regelmäßige Reinigung aller Wände organisiert hat. „Wir zeigen durch regelmäßige Pflege, dass wir das Geschaffene wertschätzen. Damit motivieren wir auch die Besucher, pfleglich mit allen Räumen umzugehen. Jeder weiß, was geschieht, wenn Gebäude nicht betreut und dem Vandalismus überlassen werden ...“

Sigma-Jobcenter-Kerpen

Deutlich sichtbar hinterließ Petra Pieroth für das beteiligte Kreativteam eine Art Signatur

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